1953 liefen zum ersten Mal die Weinschiffe am Zürcher Bürklipatz vom Stapel. Und dieses Jahr feiert die Expovina ihre siebzigste Ausgabe. Blick sprach mit Geschäftsführer Pascal Schlittler über Nostalgie, Neuerungen und warum eine Tombola wie 1950 heute undenkbar wäre.
Wenn Weinschiffe am Bürkliplatz vor Anker liegen, dann steigt der grösste Weinevent des Zürcher Herbsts. Fünfzehn Tage darf ab Ende Oktober auf zehn Schiffen nach Herzenslust verkostet, geschlemmt, dazugelernt, und gefachsimpelt werden.
BLICK: Herr Schlittler, wie viele Besucher erwarten Sie?
Pascal Schlittler: Wir planen wie jedes Jahr mit rund 50'000 Eintritten. Letztes Jahr waren es 48'000. Seit dem Einschnitt durch die Covid-Krise im Jahr 2020 geht es kontinuierlich aufwärts.
Hat sich das Publikum in den letzten Jahren verändert?
Ja. Das zeigt sich seit Covid deutlich. Die Jüngeren haben übernommen, sowohl vor als auch hinter den Messeständen und der Frauenanteil steigt. Bei den Masterclasses, den geführten Verkostungen zu bestimmten Themen, ist die Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer 35 Jahre und jünger.
Was bietet die Expovina den jungen weininteressierten Besuchern?
Wir beobachten den Markt genau und schauen, dass Trends, wie Rosé, Naturweine, Schaumweine, aber auch No- und Low-Produkte auf den Weinschiffen eine Plattform haben.
Ist es immer noch so, dass Haushalte ihren Weinbedarf für ein Jahr an der Expovina kaufen?
(Lacht) Das hat sich komplett geändert. Heute werden verschiedene Weine in kleineren Mengen gekauft. Unsere Besucher haben Lust darauf, Neues zu entdecken.
Apropos Neues: Auf was können sich die Besucher dieses Jahr freuen?
Neu ist die Austern- und Krabbenbar auf der Ganymed-Terrasse. Es war ein langgehegter Wunsch von mir, mit den Austern einen Hauch von Paris und mit den Krabben eine Brise Sylt an die Expovina zu bringen.
Und was hat sich für die Aussteller geändert?
Mit den Neptun Pop-ups haben wir eine Möglichkeit für Aussteller geschaffen, die nicht 15 Tage an der Messe präsent sein können. Das spricht besonders Newcomer oder kleinere Anbieter an. In der Halbzeit der Expovina wechselt das Programm.

Welche Gastregionen stehen dieses Jahr im Fokus?
Weine aus Serbien, aus Kroatien und Crémants aus Luxemburg, denn Bubbles sind immer noch im Trend.
Was hat es mit dem Winzerlunch auf sich?
Die Expovina öffnet jeden Tag um 14 Uhr die Pforten. Davor kann man sich im kleinen oder grösseren Kreis auf dem Klubschiff zum Mittagessen treffen. Das Catering-Team serviert ein fixes Menü, begleitet von Best-of-Weinen der Expovina Wine-Trophy.
Da fehlt der Winzer...
Winzer oder Händler können für sich und ihre Kunden reservieren und zum Lunch ihre eigenen Weine mitbringen. Das intensiviert Kundenbeziehungen und ist ein guter Rahmen für Business-to-Business-Treffen.
Im Jubiläumskatalog schwingt auch ein wenig Nostalgie mit. Wie war das mit der Tombola vor 50 Jahren?
Damals konnte man rund 300 Flaschen Wein gewinnen. Stellen Sie sich vor, der Camionneur klingelt an ihrer Tür und sagt: Sie haben 300 Flaschen Wein gewonnen, soll ich die in den Keller tragen?
